IKEA gegen russische Korruption?

Der Möbeldiscounter IKEA mit Stammsitz „Schweden“ ist einer der größten „globalen Unternehmen“ in Europa, wenn nicht weltweit in der Möbelbranche. Von daher ist der Konzern mehrfach von Korruption betroffen.

Der neuste Fall der bekannt wurde spielt in Russland. Allgemein geht man wohl bei den großen Konzernen davon aus, dass man in Russland nur Erfolg haben kann, wenn man „schmiert und Bestechungsgelder bezahlt“.   Dass dem nicht so ist, das versucht der „schon seit dem Beginn der Expansion nach Russland vor zehn Jahren (von) Ikea-Gründer Ingvar Kamprad verfügt (Grundsatz), keine Schmiergeldzahlungen oder andere Formen der Korruption zuzulassen“.(1) Und es geht.

IKEA sagt nein.

Der ehemalige Manager für IKEA-Russland, Lennart Dahlgren hat ein Buch über die Korruptionspraxis in Russland geschrieben, das wohl zu einem „Muss-Lesen“ für jeden Manager und Betriebsrat in einem Unternehmen werden sollte, das mit Russland Geschäfte macht.

„Korruption ist im Russland zu einer Säule in der Wirtschafts- und Sozialstruktur geworden. Hunderttausende Beamte bessern sich damit nicht nur ihr Gehalt auf, sie häufen sich Reichtümer an,….“ so die allgemeine Aussage zur Lage der Korruption in Russland. Welchen Schaden diese Bestechungs- und Schmiergeldmentalität zur Folge hat, erklärt das NAK von Russland.

„Was vielen als Kavaliersdelikt erscheint, ist in Wirklichkeit ein Übel, an dem das ganze Land laboriert. Zwischen 240 und 300 Milliarden Dollarein Fünftel des jährlichen Bruttoinlandsproduktes – fliesen jährlich in die Taschen der Beamten, schätzt das Nationale Komitee zur Korruptionsbekämpfung (NAK)“.(1)

Von Putin lernen, heißt Sponsoring gewinnen.

Doch man kann sich wehren, wie IKEA es tat. „Weil das Grundstück, das die Stadt Krasnodar angeboten hatte, ideal war, wollte Ikea zuschlagen. Wie gewöhnlich, begann der Handel, schreibt Dahlgren. Aber schon bald sei ihm zu Ohren gekommen, dass die Stadt das Grundstück an eine anonyme Person übergeben hatte. Deren Vertreter nannte Ikea den Preis, der fünf Mal höher war als jener, den Ikea schon mit der Stadt ausgehandelt hatte. Wer die Differenz kassieren sollte, war nicht zu nachzuvollziehen. Ikea entschied: Dann wird eben nicht gebaut“. (1)

Und Februar 2010 wurde man dann auch bei IKEA noch fündig, „mit internen Untersuchungen und der Entlassung von Spitzenmanagern geht der Möbelriese Ikea gegen Korruption in seinen russischen Möbelhäusern vor. Die „schwedische Kette (hat) die Trennung von zwei Spitzenmanagern in St. Petersburg bekanntgegeben, weil diese Bestechungsgelder zur Sicherung von Stromlieferungen bewilligt haben sollen.“. (5)

Doch dazu muss man moralische Grundsätze haben und ein funktionierendes Management. Von deutschen Konzernen hört man nichts zu diesem Bereich im internationalen Handel, warum wohl?

Denn es fällt eines auf, was Dahlgren in seinem Buch beschreibt, was wir auch aus Deutschland kennen. „Für ein Treffen mit Wladimir Putin (muss man schon mal) fünf bis zehn Millionen Dollar … zahlen“, da sind doch unsere Politiker wie Rüttgers und Stanislaw Tillich von der CDU mit 5000 bis 8000 Euro ein Billigshopangebot. Doch interessant ist in dem Zusammenhang, woher die CDU wusste, dass man solche „Sponsoringgespräche“ überhaupt vermarkten kann.

Offenbar hat Putin doch mehr Einfluss auf deutsche Politiker, wie wir gedacht haben. Ex-Kanzler Schröder lässt grüßen, deshalb verstanden sich auch Frau Merkel und Herr Schröder so gut beim letzten Kanzlerfest.

Man kann nur hoffen, dass auch in Europa über das EU-Parlament bald ein klares und verständliches Antikorruptionsgesetz kommt, wie man es schon in Österreich versucht hat einzuführen. In Deutschland werden wir wohl noch lange mit „Spenden, Sponsoring, Lobbyismus, Bevorzugung, Günstlingswirtschaft“ usw. zu kämpfen haben. Liegt wohl am Spreewasser.

IKEA könnte da ein Leitbild werden, denn der Konzern war auch schon bei uns mehrfach wegen Korruptionsskandalen auffällig, er hat jedoch immer sehr vorbildlich reagiert.

Unsere Politiker leider nicht, die über „Vogel-Strauß“ oder basteln mit, wenn es heißt, im „Trüben fischen“ oder Politik im Graubereich von Kapital und Geschäftsinteresse.

2005 hat sich „der Hauptbeschuldigte im Schmiergeld-Skandal beim schwedischen Möbelhaus … in seiner Gefängniszelle erhängt. Dem 56 Jahre alten Bauleiter der deutschen Ikea-Zentrale in Wallau bei Wiesbaden waren Bestechlichkeit und Untreue vorgeworfen worden“. (3)

Im Jahr 2006 wurde langsam das ganze Ausmaß der Korruption bei IKEA-Deutschland bekannt. „Die Korruptionsaffäre um das schwedische Einrichtungshaus Ikea ist offenbar weit größer als bislang bekannt. Inzwischen ermittelt die Frankfurter Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Bestechlichkeit gegen sieben Mitarbeiter der Bauabteilung des Möbelmultis sowie gegen 44 Mitarbeiter von Bau- und Handwerksfirmen wegen des Verdachts der Bestechung und des Betrugs“ (4)

Und ein Jahr später zeigt sich der Umfang der Bestechung und der beteiligten Personen erneut. „Bei der Aufarbeitung der Ikea-Bestechungsaffäre kommt die Justiz voran. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt erwirkte am Freitag Strafbefehle gegen vier Baumanager. Ermittelt wird in der Korruptionsaffäre insgesamt gegen 60 Beschuldigte, darunter sind sechs Ikea-Beschäftigte. Der Gesamtschaden liegt bei 2,7 Millionen Euro. Nach Angaben der Staatsanwältin sind 15 Verfahren inzwischen abgeschlossen. Die Frankfurter Ermittlungsbehörde ist mit dem Verfahren betraut, weil das schwedische Möbelhaus seinen deutschen Hauptverwaltungssitz im Hofheimer Stadtteil Wallau hat“. (4)

1) http://www.welt.de/wirtschaft/article6843676/Der-Kampf-von-Ikea-gegen-die-russische-Korruption.html

http://nachrichten.aol.de/nachrichten-wirtschaft/der-kampf-von-ikea-gegen-die/artikel/20100319083626173525806

2) http://derdetektivmitdersonnenbrille.wordpress.com/2010/02/23/ministerprasident-ruttgers-cdu-verkauft-geheimgesprache-an-unternehmer/

3) http://www.stern.de/wirtschaft/news/korruption-ikea-manager-erhaengt-sich-546099.html

4) http://www.faz.net/s/RubC9401175958F4DE28E143E68888825F6/Doc~E07AC9B15F9744731A4670BD7901B22E8~ATpl~Ecommon~Scontent.html

http://www.welt.de/wirtschaft/article953270/Prozess_rollt_Korruption_bei_Ikea_auf.html

5) http://www.fnp.de/fnp/welt/wirtschaft/rmn01.c.7295289.de.htm

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2 Antworten to “IKEA gegen russische Korruption?”

  1. industriepark Says:

    Ein kurzer Auszug aus dem Buch des ehemaligen Generaldirektors von IKEA-Russland, Lennart Dahlgren – “Wider die Absurdität – Wie ich Russland bezwungen habe – und Russland mich!” zu diesem Thema ist auch hier zu finden: http://industriepark.wordpress.com/2010/04/06/ikea-liebt-russland-2/

  2. Industriepark's Blog Says:

    “IKEA liebt Russland”…

    – unter diesem Titel ist in Schweden im Oktober 2009 das Buch des ehemaligen Generaldirektors von IKEA-Russland, Lennart Dahlgren erschienen. Darin enthüllt der Schwede wie schwierig der Einstieg in den russischen Markt für ein westliches Unternehmen s…

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