Staatsanwalt klagt vier Mitarbeiter wegen brutalem Mobbing an

Mobbingopfer Stefan K., Potsdam

Dieser Vorfall dürfte in der Mobbing-Kultur von Deutschland besondere Brisanz annehmen. Zum ersten Mal* führt ein Staatsanwalt gegen Anklage gegen vier Mobber, die einen fünften Kollegen, heute 29 Jahre alt „über Jahre nahezu täglich gequält, misshandelt und erniedrigt“ haben sollen. (1)

Der Fall wurde als Bauhof-Skandal bekannt, der Tatort war die Stadtverwaltung von Hilenbach. „So etwas habe ich noch nie erlebt, sagt Personalratsvorsitzender und Ver.di-Sekretär Marek-Gebauer. (1)

„Die Belegschaft der Kleinstadtverwaltung erlebt in diesen Tagen, wie aus dem Verdacht, der nach der Polizei-Durchsuchungsaktion am vorigen Donnerstag offenkundig wurde, nicht nur erwiesene Tatsachen werden, sondern auch Räuberpistolen – unter anderem auf Internet-Seiten“. (1)

Offenkundig wurde, dass ein heute 30-jähriger „Landschaftsgärtner über zehn Jahre von vier Kollegen gequält worden sein, Bedrohungen verschwiegen und die Herkunft von Verletzungen verschleiert haben, bis er sich im Juli offenbarte“. (1)

Federführend war in der Gruppe der 4 Mobber ein 52-jähirger, der unter anderem laut Anklage des Staatsanwalts dem Opfer „eine laufende Kettensäge nur Zentimeter vom Hals des Opfers entfernt (hingehalten) haben soll. Außerdem hätten die Angeklagten ihren Kollegen bewusstlos geschlagen und eingesperrt“. (2)

Die Ermittler

Und da fragt man sich schon, wie konnte so was unter den Augen eines Personalrat und Verwaltungsangestellten geschehen?

 „So etwas kann sich nur entwickeln, wenn alle dicht halten, sagt der Personalratsvorsitzende, der sich das in den überschaubar kleinen Hilchenbacher Arbeitszusammenhängen dennoch nur schwer vorstellen kann. Schließlich seien auch die Personalvertreter in allen Bereichen der Verwaltung präsent: Die sind so gewählt worden, dass für jeden Ansprechpartner da sind – natürlich auch für den Bauhof. (2)

Vielleicht sollte man sich mal bei „ver.di fragen, ob man bei der Auswahl der Personalvertreter nicht vorher einen „Eignungstest“ macht und nicht nur nach Netzwerken und Machtverhältnissen Kandidaten aufstellt. Schließlich sind „Ver.di“-Mitarbeiter Personalräte, sowie als Betriebsräte sehr oft in Mobbingfälle involviert, spricht nicht gerade für eine Antimobbing-Kultur in dem Laden von Herrn Frank Bsirske (GRÜNE). Auch haben die Grünen bis heute noch kein einziges Antimobbing-Gesetz in den Bundestag eingebracht. Traurig aber wahr für die Rebellen von einst mit der Latzhose und der Sonne Blume.

Januar 2009 dann endlich nach dem Studium der Polizeiprotokolle die zweite Reaktion der Stadtverwaltung. „Die Stadt Hilchenbach hat einem weiteren Mitarbeiter des Bauhofs gekündigt. Bei ihm habe sich der Verdacht erhärtet, dass er einen Mitarbeiter misshandelt und gedemütigt hat“. (3)

Schon 2008 wurde schon dem 52-jährigen Rädelsführer der hilbenbacher Mobbing-Gang gekündigt.

Gerechtigkeit

„Ein dritter Mitarbeiter steht im dringenden Verdacht an den Misshandlungen beteiligt gewesen zu sein oder sie zumindest geduldet zu haben. Er wird noch vernommen und wurde bislang nicht entlassen“.(3)

Entscheidend dabei ist wie, die Gruppe der Mobbingtäter eine Hierarchieform aufgebaut hat, die über Jahre funktionierte. Diese Gruppenstruktur dürfte für andere Fälle von Interesse sein und man kann nur hoffen, dass „ver.di“ endlich die Unterlagen der Öffentlichkeit zugänglich macht und nicht nur Schulungen mit Hochglanzbroschüren und dem allgemeinen Blabla ankündigt und ab und an mal durchführt. (3)

„Den Vernehmungsprotokollen der Polizei sei zu entnehmen, dass bei den Vorwürfen zwischen den vier Beschuldigten deutlich unterschieden werden müsse, so die Stadt Hilchenbach. Es gebe einen Hauptbeschuldigten, dem bereits gekündigt wurde. Weitere Anhaltspunkte bestärkten den Verdacht, dass ein zweiter Beschuldigter einzelne Tätlichkeiten gegenüber dem Geschädigten begangen habe oder an solchen beteiligt gewesen sein kann“. (3)

Diese beiden, nun endlich gekündigt, waren der aktive Kern der Mobbing-Gang von Hilenbach.

„Ebenso wiesen die Ermittlungen darauf hin, dass der dritte Verdächtige über einen längeren Zeitraum, einzelne Aktionen gegen das Opfer wahrgenommen habe, ohne diese zu unterbinden oder zu melden“. (3)

Hier wird man abarten müssen, ob es auch hier nicht sinnvoll ist, diesen Mitarbeiter zu kündigen, der der „Wegschauer“ ist wie der Hehler, er macht den anderen oft die Lust an ihrer Grausamkeit zu höchsten Freude ihres sadistischen Treibens. Und wer garantiert, dass er beim nächsten Vorfall nicht wieder wegschaut?

„Für die Beteiligung des vierten Beschäftigten liefere die Akteneinsicht durch den Anwalt der Stadt Hilchenbach bisher keine arbeitsrechtlich verwertbaren Hinweise“. (4)

Hinweise die man offenbar nun im Prozess erwarten darf und auch, mit welchen Mitteln und Entschädigungen das Gericht agiert. Zu vermuten ist leider, man wird wieder nicht den Mut zu konsequentem Handeln innerhalb der Richterschaft haben. Zu groß ist die Angst vor einem Präzedenzfall, dazu muss die Verteidigung, wenn sie als Nebenkläger auftreten durfte, vor den EU-Gerichtshof gehen.

Die Verhandlung läuft nun seit gestern und man muss jetzt einfach das Urteil abwarten, leider. Denn solche Prozesse gehören per Liveübertragung in Sender wie Phönix oder Arte, wofür bezahlen wir letztendlich die GEZ-Gebühren? 

* So weit mir bekannt ist, über die Zusendung weiterer Fälle und Urteile, Zeitungsartikel und sonstige Berichte würde ich mich sehr freuen.

1) http://www.westline.de/lokales/Mobbing-auf-Bauhof-Kollege-streitet-Vorwuerfe-ab;art255,82155

2) http://www.derwesten.de/staedte/siegen/Verdacht-auf-Misshandlungen-bekraeftigt-id1396446.html

3) http://www.derwesten.de/staedte/siegen/Verdacht-auf-Misshandlungen-bekraeftigt-id1396446.html

http://www01.wdr.de/tv/aks/sendungsbeitraege/2010/kw10/0309/bauernhof_mobbing.jsp (Startzeit 11:18)

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