Der Sozialstaat wird abgewrackt, aber ohne Prämie.

Vereinigungsorgie a la Kohl.

Vereinigungsorgie a la Kohl.

Spätestens mit der Vereinigungsorgie von 1991 hat für viele Bürger im Osten und Westen die Armut ein neues, reales Gesicht bekommen, ihr Gesicht. Während die Abzocker, Heuschrecken und Bad-Bank-Manager sich Tag für Tag Wege und Chance suchen, die Taschen voll zustopfen mit der Droge aus der Bundesbank, erleben immer mehr Kinder, Alleinerziehende, Rentner, Arbeitslose, Kranke, Hartz IV Empfänger, Hartz IV Aufstocker, Migranten und sozial Schwache, dass Deutschland eine politische Kultur der Ausgrenzung, Armut, Ghettoisierung und sozialen Verelendung hat. Und nichts kann diesen Zug mehr stoppen, so lange Politiker sich auf ein Wahlergebnis berufen können oder sich in ihren Wellnesszentren, den Parlamenten verschanzen dürfen.

Verharmlosen und Verdrängen.

Verharmlosen und Verdrängen.

Gerade auf den Straßen, den Schulhöfen und in den öffentlichen Verkehrsmitteln und  Treffpunkten (Parks, U-Bahnstationen, Bahnhöfen, Ämtern) der Hauptstadt erleben wir die vehemente Entwicklung einer Slumkultur, die selbst anderen europäischen Nachbarn Angst machen würde. Uns offenbar nicht, den abgehärtet durch die Kultur des Holocaust, des kalten Krieges und der Mauer- und Stacheldrahtideologie haben wir sozial gesehen ein sehr niedriges Gerechtigkeitsempfinden entwickelt. Die Ereignisse um den 2. Juni 1967, den Tod von Benno Ohnesorg und die Stasiakte von Karl-Heinz Kurras, dem Täter, haben diese auch 2009 nochmals klar zum Ausdruck gebracht.

Die Zeche bezahlt der kleine Mann.

Die Zeche bezahlt der kleine Mann.

Der Autor des Buches „Armut in einem reichen Land – Wie das Problem verharmlost und verdrängt wird“, Professor Christoph Butterwegge hat mit seinem Untertitel diese typisch deutschen Verhaltenstrukturen treffend charakterisiert, Verharmlosen und Verdrängen, darin waren wir immer Weltmeister. Ansonsten gibt Butterwege eine sehr konkreten Einblick in die Armut von Deutschland die man als relative Armut bezeichnet – das Leben ist gesichert, das soziokulturelle Existenzminimum aber nicht – und damit der ideale Nährboden für Gewalt, Hass, Mobbing, Terror und Rassismus ist.

Und die erneute Verschürfung der Armut bei uns liegt in der einfachen Tatsache, dass jemand „die Zeche dafür (be)zahlen (muss), dass die Banken saniert werden. Aus meiner Sicht sind es die Arbeitnehmer, die Mittelschicht und die Armen.“ Und die Politik zeigt uns wie so etwas ganz einfach geht. Man verändert einfach die Grundlage für das Existenzminimum nach unten und wartet ab, wie sich die Frösche im Topf verhalten, wenn die Hitze zunimmt. „Die Bundesregierung  (hat einfach in) ihrem jüngsten Armutsbericht die Berechnungsgrundlage verändert… Im Jahr 2005 galt als arm, wer weniger als 938 Euro netto im Monat zur Verfügung hatte, im Jahr 2008 wurde die Grenze auf 781 Euro gesenkt.“ Zieht man dann noch die Mehrwertssteuer ab, die die Armen beazhlen, so bleibt netto gerade mal 600 bis 650 Euro übrig, welch ein Wahnsinn.

Benno Ohnesorg.

Benno Ohnesorg.

So einfach ist das, doch warum wundern sich dann diese Politiker, dass niemand mehr zur Wahl geht. Gerade in Berlin, in den Ghettos lag die Wahlbeteiligung zur Europawahl teilwiese bei nur 35 %, das heißt, 65 % sind Nichtwähler und das bewusst. Auch Armut hat eine Würde und die heißt: „Nur das dümmste Schwein wählt seine Schlachter selbst.“

Unter http://www.stern.de/politik/deutschland/:Armut-Bundesrepublik-Die-Regierung-Armen-Stich/703886.html findet man ein sehr gutes Interview von Professor Christoph Butterwegge.

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