Die Stasi und die neue deutsche „Revisionismusdebatte“.

In mehreren Artikeln haben MarBrun und ich bisher versucht, die Diskussion um die Aufarbeitung (1) der „Stasivergangenheit“ auf ein Problem zu lenken, dass man auch als „Vorbild“ (2) nennen kann. Es fällt extrem auf, dass zum 20. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer durch die DDR-Bürger (3) eine neue Diskussion darüber entsteht, was die Stasi war und was man heute von den Mitarbeitern erwartet. Aufklärung und Bekenntnis und nicht das ständige Leugnen und verharmlosen einer Organisation, die zu viele Opfer produziert hat, die auch heute noch unter diesen Folgen leiden.

Von daher ist auch der Einsatz der Bürger von Welzow im demokratischen Ringen um die Entfernung eines Stasispitzels aus dem Amt des Bürgermeisters nur zu begrüßen und sollte allen Bürgern in unserem Land als Vorbild dienen, wie man sich hartnäckig und demokratisch gegen die Kultur der „Lüge, des Verdrängens und der Verharmlosung“ zu Wehr setzen kann. Man muss nur Wollen und zu seiner Biografie stehen, was zu Recht immer wieder von vielen Autoren zu dem Thema bei unserer Bundeskanzlerin vermisst wird. (4)

Denn eines wird dieses Jahr zum Glück mehr und mehr sachlich und nachhaltig aufgeklärt, mit welcher Präsenz und Macht das MfS in der DDR agieren durfte. So erschien am Montag, den 16.02.2009 in der Berliner Morgenpost ein wichtiger Artikel, der die Arbeit der Stasi in den DDR-Schulen zur Gewinnung von zukünftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beschreibt. „Schon ab Klasse sieben sprach man geeignete Jugendliche an, um sie später von den anderen zu trennen und an eigenen Institutionen zu unterrichten, damit sie für die spätere Arbeit gewappnet sein würden.“5 Dabei hat sich einmal die Arbeit der Stasi in den Schulen auf die „Informationsgewinnung über oppositionelle Gruppen“ konzentriert, aber jedoch auch um Mitarbeiter für die Zukunft zu gewinnen. „Ohne Nachwuchs wäre die Stasi nicht das geworden, was sie war.“ (5)

Die Anwerbung erfolgte generell zwischen der 8. und 9. Klasse und versprach dem späteren Mitarbeiter eine glänzende Karriere in der DDR-Gesellschaft. „Neben der politischen Überzeugung waren es materielle Dinge und andere Vorzüge oder auch nur das Gefühl, einer Elite anzugehören.“ Von Frau Merkel wissen wir, dass sie in der DDR zu dieser Elite gehörte, Mitarbeiterin an der Akademie der Wissenschaften wurde, Reiseprivilegien genoss, und als FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda sich vehement für die Politik der DDR einsetzte. Oppositionellen Meinungen wie die um den Freundeskreis von Robert Havemann stand sie ablehnend gegenüber. Und es fragt sich, warum sie heute statt zu ihrer Biografie als zu stehen, lieber einem Fernsehsender gerichtliche Schritte androht, wenn dieser nur „ein Foto“ veröffentlichen will? Was ist auf diesem Foto? Wer hat es gemacht? Gibt es noch mehr davon? Weshalb werden solche Themen in den Internetzeitungen der Schweiz diskutiert und nicht bei uns in der Gesellschaft?

Das solches Verdrängen, nicht Veröffentlichen dürfen und sich als Vorbild mit seiner eigenen Biografie nicht einer gesellschaftlichen Diskussion zu stellen verheerende Folgen haben kann, wissen wir aus der „Revisionismusdiskussion um den Holocaust“, in dem sich auch Frau Merkel eingemischt hat, was ihr als Kanzlerin auch zusteht, wenn ihre Rolle jedoch dabei auch nicht vorbildlich genannt werden darf. Und man den Eindruck hatte, es gehe ihr nur um Unterschied zwischen Katholiken und Protestanten, was historisch gesehen natürlich Unfug ist, wenn man sich alleine nur mit dem Thema „Arbeitsklaven im III. Reich“ beschäftigt.

Doch auch um die „Stasi“ findet nun so was wie eine „Revisionismusdebatte“ statt, wenn „ehemalige Stasi-Mitarbeiter“ heute noch unter anderem die „Gefangenen“ der Stasi >>als „Täter“<< bezeichnen und dies auch immer häufiger und öffentlich geschieht, „obwohl diese (Gefangenen) wegen Unrechts eingesperrt wurden.“5 Wie kann so was bitte 2009 möglich sein, ohne dass ein Bundespräsident oder eine Kanzlerin sich vorbildlich vor die Opfer stellt und die „Würde“ dieser Bürger schützt“? Sind wir wieder an der Entstehung einer Lüge beteiligt, in dem wir einfach Wegschauen, wie unsere Politiker, als die „Holocaustlüge“ sich mehr und mehr verbreitete? Der Holocaust kann selbstverständlich nicht mit den Auswirkungen der Stasiarbeit verglichen werden, so wie die DDR nicht mit dem III Reich. Doch das Leugnen von historisch nachgewiesen Tatsachen, die Bürgern in unserem Land nicht nur die Würde genommen hat, das kann man schon und muss es auch vergleichen, denn gerade unser Grundgesetz ist da in Artikel 1 sehr deutlich.

Warum also verleugnen so viele aus der DDR-Elite ihre Biografie und greifen stattdessen wieder die Opfer von damals an?

1. [url]http://www.onlinezeitung24.de/article/1314 [/url] 2. http://www.onlinezeitung24.de/article/1278 3. http://www.onlinezeitung24.de/article/1368 4. http://www.schweizmagazin.ch/news/336/ARTICLE/4283/2008-05-29.html 5. http://www.morgenpost.de/schueler/article1036065/Wie_die_Stasi_Jugendliche_anwarb.html

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